Schadensbegutachtung von Häusern inmitten der Zerstörung

Der Bürgermeister von Beaumont, Marcel Fortuné, sitzt nach dem schweren Erdbeben in einem behelfsmäßigen Büro an der Hauptstraße und erzählt einem Katastrophenhilfeteam von Habitat for Humanity Haiti, dass er immer noch nicht fassen kann, wie viel die Stadt verloren hat. Und wie viel zu tun ist, um die Stadt wieder aufzubauen.
Die Zahl der Todesopfer in Haiti belief sich zum Zeitpunkt seiner Rede auf mehr als 1.900, darunter 45 Einwohner von Beaumont, und etwa 10.000 Verletzte – eine Zahl, die noch steigen dürfte, wenn die Such- und Rettungsmannschaften weitere Gebiete erreichen. Mindestens 61.000 Häuser wurden in der Region zerstört und weitere 76.000 schwer beschädigt.

 

Nach einer von Habitat Haiti und anderen Organisationen in Zusammenarbeit mit der haitianischen Regierung durchgeführten Schnellbewertung hat das Erdbeben allein in Beaumont fast 1.400 Häuser zerstört. Alle kommunalen Gebäude der 50.000 Einwohner zählenden Stadt, vom Gerichtsgebäude bis zu den Verwaltungsbüros, stürzten ein.
„Wir hatten Glück, dass es an einem Samstagmorgen passierte, als niemand im Gebäude war“, sagt Fortuné über das Erdbeben, das am 14. August 2021 die bergige Landschaft zu erschüttern begann.„Sonst hätten wir wahrscheinlich viele unserer Mitarbeiter verloren.“

 

Obwohl die detaillierte Bewertung aller mehr als 1.800 Häuser, die Habitat nach den Verwüstungen durch den Hurrikan Mathew im Jahr 2016 in Zusammenarbeit mit Familien gebaut oder verbessert hat, noch aussteht, deuten erste Bewertungen darauf hin, dass etwa 98 % von ihnen nach dem Erdbeben sicher sind und keine nennenswerten Schäden aufweisen.

 

©Habitat for Humanity International / Nadia Todres
©Habitat for Humanity International / Nadia Todres
©Habitat for Humanity International / Nadia Todres

Oxelias Haus blieb standhaft

Oxelia war, wie die meisten Bewohner der nahe gelegenen Stadt Corail, zu Hause, als das Erdbeben stattfand. „Wir schrien und rannten nach draußen auf die Straße“, sagt sie. „Das Haus bebte so lange, dass auch meine Nachbarn auf die Straße rannten. Meine Tochter schlief noch, und das Beben rüttelte sie wach, bevor sie sich ihr Baby schnappte und ebenfalls auf die Straße rannte.“

Oxelias Haus, das von Habitat gebaut wurde, erlitt keine größeren Schäden. Aber viele Häuser ihrer Nachbarn stürzten ein oder wiesen schwere strukturelle Risse auf. Da sie aus minderwertigen Materialien gebaut wurden und über keine strukturellen Verstärkungen verfügten, waren sie extrem anfällig für die heftigen Erdstöße. Einige stürzten in einem Haufen Staub zu Boden.

Deshalb gehörte Oxelia zu den vielen, die in den Tagen nach dem Erdbeben draußen in Zelten oder unter Planen schliefen. „Wir hatten alle zu viel Angst, um wieder ins Haus zu gehen, weil man die Nachbeben noch spüren konnte“, sagt sie. „Aber jetzt ist es schon ein paar Tage her, und ich sehe, dass die Häuser meiner Nachbarn viele Risse haben, aber meines ist in Ordnung.“

 

Team von Habitat for Humanity ebenfalls betroffen

 

 

Die Mitarbeiter von Habitat Haiti in der Region sind selbst stark von dem Erdbeben betroffen. Jean Myrtho Lafontant, ein Habitat-Ingenieur, der in Les Cayes arbeitet, verspürt seit dem Erdbeben von 2010 eine kontinuierliche Angst vor einem erneuten. Er telefonierte gerade in seiner Wohnung, als er spürte, wie die Erde zu beben begann. Er verließ die Wohnung fluchtartig durch ein Fenster und sprang auf ein benachbartes Dach, das ihm im Falle eines Einsturzes sicherer erschien. Als der Staub eine erste Sicht erlaubte, stellte er fest, dass seine Wohnung dem Hauptgebäude völlig weggebrochen war.

Jean und ein weiterer Habitat-Außendienstmitarbeiter spannten eine Plane über ein im Bau befindliches Haus und schliefen zwei Nächte darunter. In der dritten Nacht war nicht an Schlaf zu denken, da sie sich abwechselnd an der Plane festhalten mussten, während die sintflutartigen Regenfälle des Sturmtiefs Grace vorbeizogen. Am nächsten Tag traf Verstärkung von Habitat aus Port-au-Prince ein, mit Hygieneartikeln, Zelten, Kleidung und Lebensmitteln.

Jetzt schlafen Jean und die anderen Mitglieder des Habitat-Haiti-Teams in Zelten. Jeden Morgen schwärmen sie aus, um das ganze Ausmaß der Schäden an den Häusern in der Region zu begutachten. Sie wissen, dass sie bei weitem nicht allein sind. Denn dank der fast vier Jahrzehnte langen Erfahrung von Habitat Haiti im Land und der engen Beziehungen zu lokalen Behörden, Familien und Organisationen wird jede Maßnahme als Teil eines Netzwerks durchgeführt. Gemeinsam mit unseren Partnern setzen wir uns dafür ein, so viele Menschen wie möglich beim Wiederaufbau zu unterstützen.

 

Wir helfen und benötigen Ihre Unterstützung

Habitat for Humanity ist einer der weltweit stärksten Akteure, im Bereich Shelter d.h. der Bereitstellung von geschützten Unterkünften für am stärksten gefährdete Bevölkerungsgruppen. Wir wissen aus erster Hand, wie wichtig ein menschenwürdiges Zuhause ist und welche Gefahren für Familien und die allgemeine Gesundheit bestehen, wenn es nicht vorhanden ist.

Ihre Unterstützung wird dringend benötigt, damit wir die am schwersten Betroffenen sofort und langfristig beim Wiederaufbau ihrer Häuser und ihres Lebens unterstützen können. Habitat for Humanity wird in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten Schadensbegutachtungen durchführen, Shelter-Kits verteilen sowie einen langfristigen Wiederaufbau vorbereiten.

   Verteilung von Wasser-, Sanitär- und Hygienekits sowie Errichtung von Übergangsbehausungen
          

 

Schadensbegutachtungen, Weitergabe von technischenm Fachwissen und Bildung von Allianzen
mit anderen Hilfsorganisationen im Bereich Shelter

 

            Bitte unterstützen Sie unsere Katastrophenhilfe mit Ihrer Spende!

 

 

 

Mit 35 € kann eine Familie mit einem Hygienepaket inklusive Seife, Desinfektionsmittel, etc. versorgt werden.

 

 

 

 

Mit 105 € können Werkzeuge und Materialien zur Schuttbeseitigung/Wiederaufbau oder ein erstes Versorgungsset mit Küchenutensilien, Wasserkanistern, Decken, etc. an eine Familie verteilt werden.

 

 

 

 

Für 4.490 € kann eine sichere und stabile Übergangsbehausung für eine Familie bereitgestellt werden.

 

Habitat for Humanity in Haiti

Habitat for Humanity arbeitet seit 1984 in Haiti und ist gut aufgestellt, um auch auf diese jüngste Katastrophe zu reagieren.
Nach dem Erdbeben von 2010, das Port-au-Prince und die umliegenden Gebiete verwüstete, haben wir ein umfangreiches Hilfsprogramm umgesetzt.
Im Rahmen dessen wurden mehr als 25.000 Shelter Kits verteilt, mehr als 5.000 Behelfsunterkünfte gebaut sowie mehr als 300 Häuser neu gebaut und repariert.

 

Habitat unterhält starke Partnerschaften mit Gemeinden im Südwesten Haitis. Nach Hurrikan Matthew im Jahr 2016 konnten wir 1.200 Häuser wiederaufbauen. Derzeit arbeitet Habitat for Humanity Haiti vor allem im Bereich der Katastrophenvorsorge, rüstet Häuser nach und errichtet Latrinen sowie Wasserstellen.

 

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